Sprachgeschichte(n): Moses und die Vetternwirtschaft

Wir leben in einer Welt, in der immer häufiger darauf geachtet wird, bloß die richtigen Begriffe zu verwenden, um auf gar keinen Fall irgend eine Personengruppe herabzuwürdigen oder anzugreifen. Die Diskussionen über "Zigeunerschnitzel" und "Negerküsse" dürften bei den meisten Personen noch im Gedächtnis sein. Interessant ist bei der gesamten Debatte über "political correctness" im Sprachgebrauch, dass sie auch hier (vermutlich weil es zu aufwändig erscheint) nicht konsequent durchgezogen wird.

 Der Begriff "mauscheln" oder "Mauschelei" ist so ein Begriff, der in meinen Augen weitaus mehr Aufsehen erregen sollte, als die oben genannten Speisen. Der Ursprung dieses Synonyms für Vetternwirtschaft oder Klüngeleien ist nämlich von dem jüdischen Namen "Mosche", also Moses abgeleitet. Demnach hat man schon im 17. Jahrhundert jüdische Händler, die aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit nicht immer den besten Ruf hatten, als "Mauschel" bezeichnet und wenn jemand mauschelte, sprach oder handelte er stereotypisch wie ein Jude, also den antisemitischen Vorurteilen zufolge , die auch damals schon vorhanden gewesen sind, wie ein Betrüger oder Wucherer.

Gerade in letzter Zeit erleben wir wieder verstärkt einen offenen Antisemitismus, der gerade in Deutschland eigentlich mit aller Deutlichkeit und Konsequenz unterdrückt werden sollte. Umso wichtiger sollte es für die schreibende Zunft sein, diese Hetze nicht durch verdeckte, antisemitisch auslegbare Begriffe zu unterstützen. Erst recht nicht, da unsere Sprache genug starke Begriffe besitzt, mit denen Betrügereien und geheime Absprachen treffend formuliert werden können.


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