Randnotiz: Schriftarten und ihre Assoziationen

Letzte Woche hat der Düsseldorfer Fussballverein Fortuna Düsseldorf mit seiner Werbekampagne hauptsächlich abseits des Fussballplatzes für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es um ein Plakat, das mit einem Schriftzug in Fraktur Werbung für den Verein machen soll.
Neben dem fälschlich eingefügten Komma geht es in der Diskussion hauptsächlich um die Schriftart, die der Verein ausgewählt hat. Die sozialen Medien haben sich mit Nazivergleichen regelrecht überschlagen.

Wer allerdings in Geschichte ein wenig aufgepasst hat, wird erkennen, dass nicht jede historische Anlehnung direkt mit den Schrecken des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden kann. In diesem Fall ist es tatsächlich so, dass die Frakturschrift in der deutschen Schriftsprache schon seit dem 16. Jahrhundert in der ein oder anderen Form existiert hat. Fakt ist auch, dass die Frakturschrift bereits im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts als "urdeutsch" im Sinne der gotischen Geschichte angesehen wurde. Interessant ist an der Stelle der ambivalente Umgang mit der Frakturschrift im nationalsozialistischen Deutschland. Hier scheint es zumindest ab 1941 ein Umdenken Zugunsten von Antiqua-Schriften gegeben zu haben. Die Frakturschrift wurde in einem Erlass sogar kurzzeitig als "Schwabacher Judenlettern" von oberster Stelle verboten. (vgl. http://www.typolexikon.de/gebrochene-schriften/)

Auch wenn die Schriftart offensichtlich in vielerlei Köpfen ein befremdliches Gefühl ausgelöst hat, sollten wir dennoch die Diskussion über die entsprechende Werbekampagne in meinen Augen etwas sachlicher und historisch umfangreicher führen. Ein reiner Fokus auf die Schrecken des Nationalsozialismus scheint mir an dieser Stelle unangebracht zu sein.


Bildquelle: https://www.waz.de/staedte/duesseldorf/fortuna-duesseldorf-blamiert-sich-mit-werbeplakat-id212491311.html?newsletter=true&utm_source=email&utm_medium=nl&utm_term=tglnl&utm_campaign=ln_nrw-waz.k2016.10.11.2017
weitere Quellen: http://www.textfindling.de/Fraktur/Schrift.html
http://www.uni-heidelberg.de/unimut/themen/fraktur-verbot.html

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